Wühltisch

Fundgrube für preisbewusste Hausfrauen, die im Untergeschoss von #Warenhäusern oder im Schnäppchenmarkt aufgebaut wird. Online-Shoppern entgeht hier etwas, denn das Wühlen ist eine sehr haptische Angelegenheit, gilt es doch, die besten Stücke aus den tiefsten Tiefen des Wühltisches ans Licht zu befördern. Als es noch den Schlussverkauf gab und die Wühltische damit nur zweimal im Jahr Saison hatten, wurde die Schnäppchenjaged regelrecht zum Sport. Dabei war voller Körpereinsatz gefragt. Die Disziplinen: frühzeitige und strategische Positionierung vor den noch geschlossenen Glastüren, Erkämpfen der vordersten Reihe durch schnellen Sturm, Abdrängen des Gegners durch Körperfülle und Ellenbogencheck sowie schnelles Entreißen der Beute. Um der Verletzungsgefahr vorzubeugen, wurden auf Wühltischen vornehmlich Textilien angeboten.

21. Juni 2010

Warenhaus

Ein Haus, in dem es die unterschiedlichsten Waren zu kaufen gibt. Deshalb nennen wir es auch lieber Kaufhaus, Shopping-Center oder gleich Megastore, denn es ist groß und hat viel anzubieten. Man könnte regelrecht in ihm überleben und müsste das Haus eigentlich nie verlassen, denn es gibt ja alles. Wie lange das Warenhaus selbst noch überlebt, ist derzeit fraglich.

17. Juni 2010

Schalterhalle

Hier schaltete und waltete einst die Deutsche Bundesbahn. Beamte saßen hinter Glasscheiben mit kleinen Löchern, gaben Auskünfte, Fahrkarten, Wechselgeld - was immer man brauchte. Heute ist die Sichtglasscheibe ein Touch Screen, hinter dem ein Automat sitzt, der Auskünfte, Fahrkarten und manchmal auch Wechselgeld gibt, vorausgesetzt man beherrscht ihn. Er hat keinen Humor, kein Verständnis, aber dafür unendliche Geduld - im Gegensatz zu den schlangestehenden Menschen, die vom Service Point an den Schalterautomaten verwiesen wurden, um dort zu Fahrgästen zu werden. Gastlich ist die (Automaten)Halle aber trotz Coffee to go, Press Center und Snack Bars heute auch nicht wirklich.

20. November 2008

Turbo-Lesen

Es gibt Menschen, die einem beibringen, wie man einen Text mit zehnfacher Geschwindigkeit liest und danach trotzdem weiß, was drin steht. Das heißt Schnell-Lesen oder auch Turbo-Lesen. Sie nennen es eine „Kulturtechnik“ – auch ein bemerkenswertes Wort. Aber das Ziel ist eigentlich nicht so sehr die Kulturförderung, sondern eher die Effizienzsteigerung. Wie sich wohl ein Autor fühlt, der viele Jahre an einem Buch gearbeitet hat und dann feststellen muss, dass jemand sein Werk in einer Stunde gelesen hat? Walter Kempowski hatte mal die Idee, dass man auf Büchern eine Zeitangabe für die Lesedauer vermerken sollte. So wie die Altersangabe auf Kinderbüchern. Lesedauer: 6 Monate - oder so. Lasst uns doch mal wieder die Technik des Langsam-Lesens kultivieren.

29. März 2007

mannigfaltig

Noch bunter als vielfältig. Assoziation: ein großes zerknittertes Tuch, ausgebreitet auf dem Boden. Aus jedem Blickwinkel wirkt es anders, je nachdem wie Licht und Schatten in seinen Falten spielen, manniglich.

ä

22. März 2007

Wollust

Schreibt man das jetzt mit zwei oder mit drei “l”? Je mehr desto besser - würde die Wollust sagen, denn sie kriegt nie genug. Das ist das Besondere an ihr, aber damit ist sie eben leider nicht überall salonfähig. Mäßigung und Genügsamkeit haben da mehr Chancen auf Anerkennung. Dabei will die Wollust von ihrem Ursprung her doch einfach nur Wohlgefallen, Freude und Genuss vermitteln - dafür muss doch auch mal Zeit sein, oder?

23. Februar 2007

Wankelmut

Ein anstrengender Begleiter. Nagt an mutigen Entscheidungen und bringt sie gern zu Fall. Wer ihm zuviel Platz im Leben einräumt, dem kann es passieren, dass er das Leben versäumt. In Vorstandsetagen und Parteizentralen wird er kategorisch vor die Tür gesetzt. Dort ist Wagemut gefragt - zumindest rhetorisch. Obwohl so ein bisschen mehr Nachdenklichkeit manchmal auch nicht verkehrt wäre.

9. Februar 2007

Gesundheitsreform

Nein, das wäre doch zu schön, wenn es so etwas gäbe. Und darüber würden sich wohl alle freuen mit Ausnahme der Ärzte, die dann arbeitslos würden. Diese Reform hat aber leider weniger die Gesundheit zum Thema als vielmehr die Gesundheitspolitik. Auch das könnte Grund zur Freude sein, würde mit deren Reform eine tatsächliche Verbesserung für alle einhergehen. Zwar erwarten wir von Reformen grundsätzlich eine Verbesserung. Aber Reform bedeutet nun mal nicht mehr und nicht weniger als eine Neugestaltung, eine Re-Formierung bestehender Zustände. Dass dies nicht immer Grund zur Freude bietet, haben uns viele Reformen unserer Politiker schon spüren lassen. Na denn, gute Besserung!

22. Juni 2006

Medizinball

Erinnert an quälenden Sportunterricht, denn dieser Ball hat im Gegensatz zu den kleinen Handbällen, leichten Volleybällen oder bunten Basketbällen nie Spaß gemacht. Drückend schwer lag er auf Händen und Schultern, während man bemüht war, sich aufrecht zu halten, denn sonst gab`s Ärger. Was für eine bittere Medizin, dieser Ball. Ähnlich wie Lebertran - schwer, dunkelbraun und sehr gesund.

14. Juni 2006

Eilzug

Den gibt’s nicht mehr. In Erzählungen und Romanen deutscher Autoren aus dem letzten Jahrhundert kann man ihn noch finden. Da fährt einer im Eilzug, und man versucht sich zu erinnern, was das eigentlich war. Ein besonders schneller Zug für Leute, die es eilig hatten - so wie heute der ICE? Nein, es war doch eher ein gemütlicher Bummelzug. Aber warum dann Eilzug? Klingt irgendwie bemüht: Wir beeilen uns ja so gut es geht, aber es geht halt nicht schneller … Immerhin hat das eine gewisse Ehrlichkeit. Heute heißen die Bummelzüge Regionalexpress!

12. Juni 2006

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