Dorothee Pilavas · Text - Beratung - Konzeption
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Goldgräber im Wissensdschungel

Das Internet ist eine riesige Informationshalde. Und täglich wird sie größer. Ein junger Bertelsmann-Manager und sein Team haben sich zum Ziel gesetzt hat, allen Menschen den gleichen Wissenszugang ermöglichen.

Tag für Tag suchen Millionen von Menschen im Internet nach Informationen zu allen nur denkbaren Themen. Es ist das perfekte Medium der modernen Informationsgesellschaft. An jedem Ort und zu jeder Zeit erreichbar, bietet es unbeschränkten Zugang zu unbegrenztem Wissen.

Stop! So grenzenlos ist das Internet nun auch wieder nicht. Jeder, der schon einmal den Dschungel der Websites nach brauchbaren Antworten auf seine Fragen durchforstet hat, wird meine Bedenken teilen: Es gibt unendlich viele Barrikaden vor dem Zugang zur Information. Da ist zunächst einmal der Zeitfaktor. Was habe ich mich schon geärgert, wenn mich Suchmaschinen mit einer ungeordneten Datenflut überschütten, die ich erst mühsam sichten muss. Und wenn ich dann überhaupt etwas gefunden habe, bleibt immer noch die Frage: Sind die Informationen überhaupt zuverlässig? Die zweite Barrikade ist der Kostenfaktor. In meiner Schreibtischschublade stapeln sich die CDs mit teurer Software, ohne die viele Datenbanken gar nicht nutzbar sind. Und so manche Website bleibt einem verschlossen, wenn man nicht sofort online die Kreditkarte zückt.

Aufbau eines Wissensportals

Wissen ist Macht. Diese Weisheit ist so alt wie die Menschheit selbst. Was also wäre zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeitgemäßer als die Demokratisierung von Wissen? Als die Verhinderung von Herrschaft durch Wissen und die Teilnahme aller Mitglieder der Gesellschaft an Wissensprozessen? Und welches Medium wäre dafür geeigneter als das Internet – vorausgesetzt man schafft dafür das richtige Portal?

Bei Bertelsmann habe ich mich einige Jahre lang mit der Herausgabe von Enzyklopädien, Lexika und Wörterbüchern beschäftigt. Zunächst noch im traditionellen Printgeschäft. Anfang der 90er Jahre kamen die ersten CD-ROMs auf den Markt. Das war der Beginn der elektronischen Medien. Dann kam das Internet. Und wenn ich einen Vergleich wagen soll, so glaube ich, dass die Entwicklung und Verbreitung des Internet von den nachfolgenden Generationen einen eben solchen Stellenwert bekommen wird, wie die Erfindung des Buchdrucks.

Heute befinden wir uns in der Internetbranche noch in einer Art Goldgräberstimmung. Fast alles scheint möglich. Doch eines steht für mich im krassen Widerspruch zu allen erfolgreichen Regeln des Internet: Wissen zu verkaufen und damit zu beschränken. Denn die Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts hat nur dann eine Chance, sich sinnvoll weiter zu entwickeln, wenn es gelingt, allen Menschen den gleichen Zugang zu Wissen und Information zu bieten. So wurde die Idee für wissen.de geboren. Dieses Wissensportal bietet Internet-Usern einen kostenfreien Zugang zu fundierten Informationen und schafft im scheinbar undurchdringlichen Internet-Dschungel eine neue Qualität.

Wissen.de geht konsequent den Weg des freien Zugangs für alle. Es vernetzt die vier Bereiche "Wissen A-Z", "Ratgeber", "Lernen online" und "Community" intelligent und mit einfacher, transparenter Bedienung und Suchstruktur. Das neue Portal steht seit Mai im Netz und bietet uneingeschränkten Zugriff auf Wörterbücher und Lexika mit mehr als 150.000 Stichwörtern und Features, die permanent aktualisiert und ergänzt werden. Wissen.de liefert Informationen und Ratschläge zu allen Bereichen des täglichen Lebens und beweist, dass Lernen Spaß machen kann.

Parallelen zum privaten Rundfunk

Doch damit nicht genug. Uns reicht es nicht, gesichertes Wissen nur zur Verfügung zu stellen. Wir wollen den Austausch mit der Community selbst und damit die Weiterentwicklung des virtuellen Lexikons. In Foren und Chats regt wissen.de seine User zur Diskussion mit Experten und Spezialisten aus der Community selbst und zum Ausbau der gesamten Wissensplattform an. Im Mittelpunkt stehen die individuellen Bedürfnisse wissbegieriger Internet-Surfer, die ihr eigens Wissen durch Nachfragen, Recherchieren und Diskutieren mit andere Teilnehmern der Wissens-Community erweitern und vertiefen. Dabei sind den Themen keine Grenzen gesetzt. Schon in der Anfangsphase reichte das Spektrum von italienischen Kochrezepten über Fragen zum Euro bis hin zur Gentechnologie.

Es ist unglaublich spannend und aufregend, diese Entwicklungen mitzuerleben und mitzugestalten. Faszinierend dabei ist das Zusammenwachsen ehemals unterschiedlicher Kommunikations- und Informationsmedien sowie das Entstehen völlig neuer Berufsbilder. Und hier liegt die enorme Dynamik dieses Marktes. Die Innovationszyklen der neuen Technologien, deren Möglichkeiten und die daraus resultierenden unternehmerischen Entscheidungen geschehen mit einer solchen Geschwindigkeit, dass einem gelegentlich schwindelig werden könnte. Natürlich wird es auch für die Internetbranche eine Zeit der Ernüchterung geben. Was heute alles in Zeiten des Aufbruchs am Markt Fuß zu fassen glaubt, kann mittel- bis langfristig nicht Bestand haben. Ich sehe das ähnlich den Entwicklungen zu Zeiten der Etablierung des kommerziellen Rundfunks in Europa.

Gerade in Zeiten des Umbruchs, des Aufbaus und der Positionierung werden an die Mitarbeiter eines New-Economy-Unternehmens besondere Anforderungen gestellt. Die Dynamik des Marktes, aber auch das Zusammenspiel unterschiedlichster Branchen und Technologien erfordern ein sehr viel offeneres und schnelleres Reagieren, vor allem auch im Managementbereich. Wenn es erforderlich ist, und meistens ist es erforderlich, hat mein Tag zwölf oder 14 Stunden, und das gelegentlich auch jenseits der Fünf-Tage-Woche.

Entschädigt wird dieser Einsatz durch viel Freude an der Zusammenarbeit mit einem jungen, hungrigen Team, das mit Selbstbewusstsein und großem Enthusiasmus an die Aufgaben heran geht und dabei die menschliche Komponente nicht zu kurz kommen lässt. Im Team von wissen.de zu arbeiten, ist für mich ein Hochgenuss an Arbeitskultur. Wir alle haben uns ehrgeizige Ziele gesteckt: Wir wollen wissen.de zu Europas größtem Wissensportal ausbauen und etablieren.

Gostwriting für Rainer Wittenberg, Geschäftsführer von wissen.de, erschienen in: jobpilot.de, 10/2000

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