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Die beiden Schweizer –Ausstellungsgestalter und Grafik-Designer von Beruf – haben ihr Unternehmen im Jahr 1993 gegründet. Damals waren sie gerade Anfang zwanzig und hatten nichts außer einer guten Idee und einer alten Nähmaschine. Inzwischen haben sie zehn Angestellte, belegen eine ganze Fabriketage und vertreiben "Freitag" Taschen, Portemonnaies, Snowbord-Hüllen und Rucksäcke weltweit in fast 50 Läden – von Zürich bis San Francisco, von Hamburg bis Tokio. Doch wie kommt man auf die Idee, alte, schmutzige Lastwagenplanen zu "Freewaybags" zu verarbeiten?
Wie viele gute Ideen, ist auch diese aus der Not geboren. Als Radfahrer ärgerten sich die Freitag-Brüder schon lange über die schlechte Qualität ihrer Umhängetaschen, und sie suchten nach einer Alternative. Der Blick aus dem Fenster ihrer kleinen Zürcher Wohnung auf die viel befahrene Autobahn Hamburg–Palermo, der sonst nur Anlaß für Fernweh war, ergab eines Tages die Lösung. Das ideale Material für strapazierfähige Taschen fand sich auf der Straße in Form von bunten Plastikplanen, die von Lastwagen quer durch die Welt transportiert werden.
Sie besorgten sich eine alte Industrienähmaschine, organisierten eine gebrauchte Plane und starteten ihren ersten Versuch. Die Plane wurde gesäubert und in Stücke geschnitten, so daß die ursprüngliche Beschriftung nicht mehr erkennbar war. Defekte Fahrradschläuche bildeten die Einfassungen der Ränder, und für die Schulterriemen mußten ehemalige Sicherheitsgurte herhalten. Das Ergebnis war perfekt: ein geräumiger und stabiler Transportbehälter, der zudem schön bunt und bestimmt einmalig war. Das fanden auch viele andere, die die Freitags immer wieder fragten, wo es denn so praktische Taschen zu kaufen gäbe.
So entschlossen sich die beiden zur Firmengründung und wurden dabei nicht nur zu Unternehmern, sondern ganz ungeplant auch zu Trendsettern. Denn eine "Freitag" zu tragen, ist inzwischen einfach "cool". Das Besondere daran: Die verschiedenen Fragmente von Lettern sowie die unterschiedlichen Formen und Farben machen aus jeder Tasche ein Unikat. Der Besitzer kann seiner Phantasie freien Lauf lassen, was die Buchstabenreste auf seiner Tasche wohl einmal bedeutet haben mögen. Auch wenn die Recycling-Taschen nach Lkw riechen, so haben sie doch den Duft der großen weiten Welt an sich und könnten Geschichten erzählen, wo sie als Plane überall gewesen sind.
Das größte Problem der beiden Jungunternehmer ist die Beschaffung des Rohmaterials. Zwar könnten die PVC-Planen für die Taschenproduktion auch extra angefertigt werden, aber der besondere Reiz der "Freewaybags" ist ja ihre Vorgeschichte und ihre Einmaligkeit. So reist das Freitag-Team auf der Suche nach alten Lkw-Planen quer durch Europa. Für die Zukunft haben sich Markus und Daniel Freitag viel vorgenommen: neue Märkte erschließen, das Vertriebsnetz ausbauen und einen Internet-Shop einrichten. Und wenn das alles geschafft ist, wollen sie sich vielleicht ihren Traum erfüllen: einen eigenen Freitag-Laden in London.
Erschienen in: "Starke Seiten", Publikation der Initiative PVCplus, 1999
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